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Rezension: Die Weine von Gala- Taschen

Das vorliegende Buch ist ein exzentrischer Weinratgeber des Surrealisten Salvadore Dali, der als Hedonist edle Weine sehr zu schätzen wusste. 

TASCHEN hat den Prachtband, der 1977 erstmals erschien, jetzt in einer Faksimile-Ausgabe neu aufgelegt.  Das reich bebilderte Werk folgt dem Sinnspruch des Künstlers, "Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet dessen Geheimnisse“, und erklärt die Mythen um den Wein und seine Herstellung, illustriert mit mehr 140 Zeichnungen des Künstlers.

Das Buch ist in zwei große Abschnitte untergliedert. Die Texte des ersten Abschnitts stammen von Max Gérard. Der Titel dieses Abschnitts lautet "Die Zehn Weine des Göttlichen." Zur Sprache gebracht werden: Der Wein aus dem Ay- Der Wein aus dem Shiraz- Der Wein des Königs Minos- Der Lacrimae Christi- Der Châteauneuf-du Pape- Die großen Bordeauxweine- Der Château Yquem- Der Jerez- Der Wein Kaliforniens. 

Die Zeichnungen, Bilder und Zitate illustrieren auf gekonnte Weise die Texte, deren Reiz die Mythen sind, die Weine zu Kulturgütern der besonderen Art machen. So liest man u.a., dass die Verherrlichung des Weines jahrhundertelang bei allen Nationen Thema war, dass er die Künste am meisten inspirierte und dass  er von ihnen am häufigsten besungen und gefeiert wurde. Weiter erfährt man, dass die Rebsorte mit dem Namen Syrah aus dem Orient stammt. Aus ihr wird der Châteauneuf-du-Pape gekeltert.  Man bemerkt rasch, dass alles irgendwie betont bacchantisch anmutet und ist beeindruckt durch die großartigen Illustrationen,  fast betrunken  von allem.

Ist man textlich bei den großen Bordeauxweinen angelangt, liest man, dass der Wein als Wein des Klassizismus- ähnlich einem Garten von Le Nôtre, die Erinnerung an den Präsidenten de Ségur verkörperte, den Ludwig XIV. "den Fürst des Weines oder den reichsten Seigneur des Königreichs" nannte und der auf seinem Gewand die Kieselsteine des Médoc trug. 

Dann liest man man weiter irgendwo, dass der Wein nicht nur intellektuelle Fähigkeiten erweckt, sondern sie auch schafft. Dies geschieht, indem er seine ätherischen Düfte bis ins Gehirn dringen lässt, neue Berührungspunkte erfindet und Gedanken verbindet, indem er das Vergnügen zu schaffen mit dem Vergnügen nicht zu schaffen verwebt.  Das klingt interessant.

Irgendwann  Seiten später liest man dann vom Chateau Iquem und der damit verbundenen Geschichte und darf sich einer Fülle von beeindruckenden Bildern erfreuen, die sehr dionysisch daherkommen.  In der Folge schließlich – man befindet sich bereits in einem Taumel von bacchantischen Wörtern und Bildern - wird man mit 2. Abschnitt "Die zehn Weine Galas vertraut gemacht".

Der  Verfasser dieser Texte ist Louis Orizet. Gala war übrigens die Muse Dalis. Orizet bittet eingangs schon um Vergebung wegen der poetischen Trancezustände, in denen er sich  den emotionalen Reizen hingibt, wo seine Dialoge mit Wein entstehen. Damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, was er damit meint, zitiere ich aus dem Text. "wenn es uns erlaubt ist, die beim Kosten eines Médocs empfundene Emotion mit derjenigen zu vergleichen, die ein Menuett Mozarts in uns auslöst, so erinnert uns die Begegnung mit einem Musigny, einem der besten, wenn nicht sogar dem besten Wein der Côtes an die symphonischen Entfesselungen der Fugen oder der ungarischen Rhapsodien von Liszt."

Von Weinen des Ästheten ist die Rede, auch von Weinen des Lichts. Ich vermute, es ist Gala, die dem Bildbetrachter eine Traube hinhält. Wie eine Bacchantin wirkt sie nicht. Eher sachlich, merkantil.  Wen wundert es? Machte sie doch Dali zum erfolgreichsten Künstler seiner Generation in ihrer 50 jährigen Ehe. Immer wieder wird man mit gastronomischen Anmerkungen konfrontiert, die es lohnt zu lesen. Man erfährt in diesem Buch unendlich viel über Weine, aber man muss über Poesie und Fantasie verfügen, um sich in die exzentrisch geschilderte Weinwelt dieses Buches entspannt vertiefen zu können, die surreal ist, wie die Werke Dalis selbst.  

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im  Fachhandel erhältlich.
Onlinebestellung bitte hier klicken: TASCHEN oder Amazon
Dalí. Die Weine von Gala

Rezension: Von wegen leicht und lieblich- Das ultimative Weinbuch nur für Frauen-Romana Echensperger- Christian-Verlag

Die Autorin dieses Buches ist die Chef-Sommeliere und Weinjournalistin Romana Echensperger. Sie schreibt regelmäßig bei niederländischen und deutschen Magazinen und hat eine eigene Kolumne bei den Tageszeitungen des Dumont Verlages. Zudem gestaltet sie für das Deutsche Wein Institut regelmäßige Workshops über die vielen Facetten des Deutschen Weines. Das Institut "Masters of Wine" hat ihr 2015 den Titel "Master of Wine" verliehen. Diesen Titel haben weltweit nur 340 Personen. 

Mit "Von wegen leicht und lieblich" macht Romana Echensperger Frauen eine Freude, die mehr über Wein wissen möchten und sich möglicherweise bislang scheuten, ein Weinbuch in die Hand zu nehmen, weil die meisten Weinbücher schon rein gestalterisch eher Männer ansprechen. Bereits das Cover ihres Buches ist für Frauen ein Hingucker. Der Wein im Glas dort korrespondiert mit dem Lippenstift der abgebildeten Schönen. Es handelt sich dabei um eine Illustration, wie man sie aus Modezeitschriften kennt. 

Neben vielen Bildern von Weinen, Impressionen rund um den Wein und Modezeichnungen, erlebt man im durchaus textreichen Buch die fotogene Autorin, hübsch gekleidet, auch gut geschminkt und gewinnt den visuellen Eindruck, dass hier keine Oberlehrerin den Leserinnen Weinwissen einbläuen möchte, sondern eine schöne, charmante und dabei stilvoll gekleidete Frau ihren Geschlechtsgenossinnen vormaliges Herrschaftswissen von Männern - vor allem nonchalant  -vermitteln will. 

Die Schauspielerin Iris Berben hat das Vorwort zu diesem bemerkenswerten Werk geschrieben und ist wie alle anderen Frauen, die diesem Buch zu Wort kommen, auf einem Foto zu sehen. Sich nicht mehr verstecken zu müssen als Weingenießerin, ist eine wesentliche Botschaft dieses Buches, das auf seine Weise auch als Beitrag zur Emanzipation gesehen werden kann. 

Romana Echensperger hat das Wissen, das sie weitergeben möchte, in vier Abschnitte untergliedert, als da sind: 

Aufräumaktion! Schluss mit den Weinmythen! 
Die wichtigsten Rebsorten & Weinstile 
Welcher Wein zu welchem Anlass? 
Tolle Weinfrauen 

Diesen vier Abschnitten voraus gehen ihre "Gedanken vorab". Hier lässt sie die Leserinnen wissen, dass es tatsächlich einen kleinen Unterschied in der Geschmackspräferenz zwischen Frau und Mann gibt. Nach einer neuen Studie der renommierten Wein-Hochschule in Geisenheim tendieren Frauen statistisch gesehen mehr zu Weiß- und Roséweinen, während Männer eher Rotwein trinken. 

Je intensiver sich Weintrinker (m/w) mit Wein befassen, umso mehr neigen sie zu trockenen Weinen. Studien belegen, dass Frauen besser riechen und schmecken und insofern Aromen besser differenzieren können. Zudem teilen Frauen ihre Weine gerne mit anderen, während Männer  sie eher als Statussymbol betrachten.

Die Autorin berichtet in ihrem Buch fundiert und unterhaltsam über Wein, zeigt die wichtigsten Kniffe im Umgang damit, entlarvt überflüssiges Expertengeschwätz, stellt die am weitesten verbreiteten Rebsorten vor und bringt sie den Leserinnen gekonnt näher. Des Weiteren erteilt sie Weintipps zu besonderen Anlässen wie auch für den persönlichen Weinalltag. Dabei ist es ihr am wichtigsten, Lust auf Wein zu machen, zum Experimentieren zu ermuntern und die Vorfreude auf ein gutes Glas Wein zu steigern.

Frauen achten mehr auf die Gestaltung der Etiketten. Deshalb gibt es mittlerweile eine typisch feminine Etiketten-Gestaltung. Neun besonders kreative Beispiele sind im Buch abgelichtet. 

Noch in der Einleitung wirft die Autorin einen Blick in die Geschichte und skizziert die besondere Beziehung zwischen Frauen und Wein in vormaligen Zeiten. Hier bleibt nicht unerwähnt, dass Frauen lange vom Weingenuss ausgegrenzt waren. Die Gründe hierfür werden auch genannt. Man liest von Frauen wie Madame Veuve Clicquot und Lilly Bollinger, die einen großen Beitrag in der Weinwelt geleistet haben und erfährt, dass Frauen heute einen selbstverständlichen Platz in der Weinwelt haben. Das beruhigt.

Man erfährt nicht nur, wo man am besten Wein kauft, auch die Frage nach dem Preis wird zur Sprache gebracht. Es sind keineswegs nur die Erzeugerkosten, so Echensperger, sondern Angebot und Nachfrage, auch Trends und Image, die in der Preisfindung eine Rolle spielen. 

Kork-und Schraubverschluss werden reflektiert und auch Gläser und Weinutensilien vorgestellt. Die Autorin schreibt zudem sehr einfühlsam über die Weinpflege. Hier auch liest man, dass große Gläser, in denen man den Wein schwenken kann, eine Karaffe mühelos ersetzen können. 

Sehr gut erklärt die Sommeliere wie man Wein verkostet und überaus aufschlussreich schreibt sie über biologischen Anbau und erklärt hier gut nachvollziehbar den Unterschied zwischen Bio und konventionell. Sogar über veganen Wein erfährt man Wissenswertes, was nicht wundert, wenn man liest, dass es mittlerweile 900 000 Veganer in Deutschland gibt.

Mir gefällt bei der Präsentation der wichtigsten Rebsorten, dass anhand jeweils eines Glases, das mit Früchten und anderen Lebensmitteln gefüllt ist, man sich die typischen Aromen einer Weinsorte gut einprägen kann. Die Rebsorten selbst sind hervorragend und dabei spannend beschrieben. Nicht nur Rebsorten aus deutschen Anbaugebieten, sondern auch österreichische Rebsorten wie etwa Grüner Veltliner, Blaufränkisch oder Zweigelt und auch italienische, spanische, französische Rebsorten und solche aus der Neuen Welt werden beleuchtet. Besonders interessant allerdings finde ich die Betrachtungen israelischer Weine, denn dort sei die Weinszene in ständiger Bewegung.

Auch über Prosecco bis Champagner wird man aufgeklärt, liest selbst über Portwein Wissenswertes, um sich schließlich in das Thema "Welcher Wein passt wozu?" zu vertiefen. Spannend  sind hier auch die Empfehlungen zu japanischer oder indischer Küche, wo man unkundig oft lange rätselt. Bestens sind die Tipps für das Geschäftsessen im Restaurant und die Betrachtung zu Weinbegleitern wie etwa Schokolade oder Käse. 

Sehr neugierig machen natürlich die Interviews mit den Weinfrauen. Dabei handelt es sich um die Winzerinnen Andrea Wirsching, Lisa Bunn und Lena Endesfelder, des Weiteren um die Vorsitzende des Vereins "Vinisima Frauen & Wein e.V" Susanne Wolf, um die japanische Weinpionierin Yumi Tanabe, die Köchin Sarah Henke, um Margareth Henriquez, Ceo von Krug und um  die Leiterin der  Deutschen Weinakademie Dr. Claudia Stein-Hammer.

Hervorheben möchte ich eine Antwort von Andrea Wirsching im Rahmen der Interviews mit Weinfrauen: 

Romana Echensperger: Was ist ihr schönstes Erlebnis in der Weinwelt? 

Andrea Wirsching: Meine Weinreise nach Israel. Wir haben mittlerweile ein gutes Partnerweingut dort, mit dem wir Austausch und Freundschaft pflegen. Das bedeutet mir sehr viel. Wenn du irgendwo mit Menschen zusammen bist, die mit dem Wein zu tun haben, entsteht eine Verbindung und plötzlich fühlt sich das Leben richtig gut an. Auf einmal hast du eine Freundschaft und richtig Freude am Leben, einen Genuss und du spürst die Erdverbundenheit. Das ist großartig. 

Dass im Anhang des Buch auch noch über "Wein und Gesundheit" informiert wird und man im Glossar viele Fachbegriffe näher erläutert bekommt, ist  lobenswert.

Ein wunderbares, sehr empfehlenswertes Buch  und ein ideales Geschenk von Frau zu Frau.

Helga König 

Überall im Fachhandel erhältlich 

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Weinguide: Von wegen leicht und lieblich. Das ultimative Weinbuch (nur) für Frauen. Ein Weinführer für die weibliche Seite des Weingenusses. Ein Grundkurs in Wein von einer Master of Wine.

Rezension: Bar Bibel- Cuhan Anadologlu- Callwey

Dieses sehr schöne Bar-Buch des international renommierten Barkeepers Cuhan Anadologlu und Miteigentümers der Bar CIRLCE BY CIHAN ANADOLOGLU in München nimmt seinen Anfang mit zwei Vorwörtern und in der Folge einer einleitenden Vorstellung des "Hearthouse" und der Bar "Circle" in München.

Das "Hearthouse" gilt als Ort der Begegnung und hier im Speziellen als Plattform für Networking und kreativen Austausch. Cuhan Anadologlu kreiert und garniert als Bartender täglich neue Cocktails in seiner Bar, die sich im ersten Stock des "Hearthouse" befindet. Es handelt sich dabei um Münchens erstem Private Member Club. Dort können nur die Mitglieder und ihre Gäste die einzigartigen Cocktails genießen. 

Das "Hearthouse" umfasst übrigens zwei Restaurants, zwei Bars, einen Nachtclub, ein Separée, ein Wohnzimmer, Business- und Meeting-Räume, dazu noch Eventflächen und ein kulturelles Programm, dessen Akteure DJanes, Starbarkeeper, Schauspieler und Schriftsteller sind. Die Bar "Circle" verfügt über eine japanisch inspirierte Ausstattung und wurde mehrfach ausgezeichnet. 

Cuhan Anadologlu berichtet über die Geschichte des Cocktails Wissenswertes. Weltweit bekannt wurde dieser Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals auch erhielt der Beruf des Bartenders immer mehr Beachtung. 

Anhand einer Grafik kann man sich einen Überblick verschaffen, welche Cocktails, Longdrinks & Spirituosen zu welcher Uhrzeit bei Tag und Nacht angesagt sind und erhält in der Folge die Rezepte der 200 besten Drinks der Welt. Diese sind alphabetisch geordnet. Man erfährt immer auch, welches Glas man für das jeweilige Getränk verwenden sollte und liest zumeist auch in welchem Jahr sie entstanden sind und in welcher Bar sie erstmals kreiert wurden. 

Neben diesen 200 besten Drinks der Welt wartet der Autor noch mit 50 seiner besten Eigenkreationen auf. Diese zu studieren ist besonders spannend, nicht nur der Rezepturen wegen, sondern auch aufgrund der kleinen Geschichten, die der Barmann dazu liefert. Zudem warten auf den Leser noch 9 Drinks internationaler Bartender und Rezepte für kleine Imbisse, die zu bestimmten Drinks, die genannt werden, passen. 

Alle Rezepte stammen von Florian Gürster, dem Chefkoch des "Hearthouce". Hervorheben möchte ich das "Steak Tartare mit Sesam, Birne und Chili". Dazu empfohlen wird der Cocktail No.1, der perfekt zu den Aromen des Steak Tartare harmoniert. Delikat auch ist "Croque Monsieur" mit Trüffelbrie, der mit dem Cocktail No. 30 harmoniert und zwar der fruchtigen Noten besagten Drinks wegen. 

Auf den letzten Seiten lernt man Säfte, Sirups & Espumas kennen, ohne die bestimmte Cocktail-Kategorien nur selten funktionieren. Dann werden die Basics der Barausstattung  näher erläutert und zudem die Techniken an der Bar sehr gut erklärt. Baradressen in der ganzen Welt werden zum Schluss auch noch genannt und auch Bezugsquellen und Literaturempfehlungen.

 Alles in allem ist dies ein sehr schönes und dabei informatives Buch. 

Empfehlenswert

Helga König

Überall im Handel erhältlich
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Rezension: Der Wein-Graf- Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau- ein Porträt- Wolfgang Junglas

Autor des vorliegenden Buches ist Wolfgang Junglas. Der im Rheingau lebende, studierte Soziologe arbeitet seit 1985 als fester, freier TV- Redakteur zunächst beim ZDF und später beim SWR in Mainz. Als Weinjournalist und Restaurantkritiker ist er Vorsitzender des Weinjournalistenvereins Weinfeder e. V., zudem Autor der TV-Serie "Landgasthöfe in Rheinland-Pfalz" und arbeitet  des Weiteren als Moderator und TV-Produzent. Zudem veranstaltet Junglas in der Brentanoscheune in Oestrich-Winkel das Bühnenprogramm der Rheingauer Wein Bühne. 

Graf Matuschka-Greiffenclau, "der Wein-Graf" hat Ende der 1970er Jahre an der Johannes- Gutenberg- Universität in Mainz  abends eine Vorlesung zum Thema Wein gehalten. Studenten aus allen Fachbereichen strömten in diese Vorlesung, um Wissenswertes über Wein zu erfahren. Dank seiner spannenden Ausführungen begann ich mich damals als junge Studentin für Wein  intensiver zu interessieren. 

Jahrzehnte später haben wir Weine von "Schloss Vollrads", dessen Inhaber Graf Matuschka -Greiffenclau einst war, auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt und mit dem heutigen Gutsverwalter Dr. Rowald Hepp ein Interview über das Weingut und die Weine realisiert. All dies hat mich neugierig auf  das Buch "Der Wein-Graf" gemacht.

Anlässlich des 20. Todestages von Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau hat Wolfgang Junglas den "König" des Rheingaus facettenreich porträtiert und versucht auf diese Weise eine Antwort auf die Frage nach dessen Selbstmord zu finden. 

Dem Text sind einige Fotos beigefügt, die dem Leser einen visuellen Eindruck von dem Protagonisten und seinem Anwesen vermitteln. 

Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau beging am 19.8.1997 Suizid. Das tragische Ereignis war damals nicht nur im Rheingau ein Thema für mancherlei Spekulationen. Als Ursachen für den Selbstmord kursierten Gerüchte, dass seine Gläubigerbank ihn in den Tod getrieben habe, auch war die Rede davon, dass schlechte Weinkritiken eine Rolle gespielt haben sollen. 

Junglas, der den Grafen auf Weinveranstaltungen mehrfach getroffen hatte, war beeindruckt von seiner Ausstrahlung, seinen Visionen und seinem Redetalent. Wie der Autor schreibt, habe Matuschka-Greiffenclau den Rheingauer und auch den deutschen Wein national und international verkörpert und ihn wie kaum ein anderer vertreten. Nicht zuletzt sehr beliebt bei den Frauen, ist es zunächst nicht nachvollziehbar, weshalb dieser Mann sich das Leben nahm. 

Wolfgang Junglas ging auf Spurensuche, besuchte  Schloss Vollrads und erfuhr dort viel von der langen Geschichte des Hauses, die sich zurückverfolgen lässt bis zu Zeiten Karls des Großen. Der Autor bringt dem Leser durch seinen historischen Abriss das alte Adelsgeschlecht  näher und lässt ihn auf diese Weise verstehen, welche familiäre Verantwortung auf diesem Mann mit großem Ehrbegriff gelastet hat. 

Grundlage für das Buch sind 60 Interviews mit Familienmitgliedern, engen Mitarbeitern, den Wein-Gefährten, dem Gutsverwalter und der Nassauischen Sparkasse als Hausbank, des Weiteren das Sichten von Pressearchiven und Originaldokumenten. 

Wolfgang Junglas skizziert zunächst die Kindheit, Jugend, das Studium und die Berufstätigkeit des Grafen und berichtet darüber wie dieser mit Elisabeth Schick, einer Kollegin bei Olivetti nach Vollrads zurückkehrt und die Leitung des Familienunternehmens übernimmt. Die beiden waren offenbar ein sehr gutes Team damals und entwickelten eine moderne Marketing-Strategie. Dazu gehörten kulinarische Weinproben, vor allem aber das erfolgreiche Bemühen, deutsche Weine in der Top-Gastronomie zu platzieren.

Junglas erzählt wie die vier Winzer Michael Graf Adelmann, Graf Matuschka –Greiffenclau, Carl von Schubert und Armin Diel in den 1980er Jahren in die deutsche Weingeschichte eingingen, indem sie durch die Top-Gastronomie tourten und für deutsche Weine warben. 1982 dann engagierte sich Matuschka-Greiffenclau für das Restaurant im "Grauen Haus", das ihm gehörte. Es ist das älteste Steinhaus Deutschlands. Schon wenig später wurde es das"Weinschmecker Restaurant" des Rheingaus. Hier wurden 120 hochwertige Rieslinge und Spätburgunder angeboten, die allesamt aus dem Rheingau kamen. Dazu kreierte der junge aufstrebende Koch Egbert Engelhardt sehr delikate Speisen. So wurde das idyllisch gelegene Haus schon 1984 mit einem Stern von Michelin ausgezeichnet.  Das Ambiente war wirklich überaus beeindruckend, die Weine und die Speisen ebenso.

Die Achtziger waren für den umtriebigen Adeligen gute Jahre. 1986 wurde Graf Erwein zum Präsidenten des Rheingauer Weinbauverbandes gewählt. Für den VDP-Weinverband hatte er damals viele Grundlagen gelegt, die den VDP erneut an die Spitze des deutschen Weinbaus brachten. 

Doch dann geriet Schloss Vollrads Anfang 1990 in eine materielle Schieflage. Darüber erfährt man im Buch Wissenswertes. Zu hohe Kostenfaktoren aufgrund der Erhaltung der Gebäude und die Bedienung der  beträchtlichen Kredite  beutelten den Grafen immer mehr. Auch der Verkauf einiger Objekte, so u.a. des Grauen Hauses konnte nur kurzfristig helfen. 

Wie die Dinge sich weiter zuspitzten und weshalb es letztlich immer desaströser für Matuschka-Greiffenclau  wurde, begreift man spätestens durch die Lektüre dieses Buches. Sehr aufschlussreich ist der abgedruckte "Abschiedsbrief an die Öffentlichkeit", der von Wolfgang Junglas interpretiert wird. Mein Blick bleibt lange an der Schrift des Grafen hängen und ich begreife aufgrund des Schriftbildes, weshalb  Graf Erwein sein Leben als zerbrochen ansah. 

Wie es nach dem Ableben von Erwein Graf Matuschka -Greiffenclau mit Schloss Vollrads weiterging, bleibt in dem Buch von Wolfgang Junglas auch nicht unerwähnt.

Nach der Lektüre denke ich spontan: 12% Zinsen sind eine Unverschämtheit. Das konnte nicht gut gehen... 

Empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
Onlinebestellung bitte hier klicken: Leinpfadverlag oder Amazon Der Wein-Graf: Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau - ein Porträt

Rezension: Cocktails- Geschichte-Barkultur-Rezepte- Hallwag

Im Hallwag-Verlag  ist vor einigen Monaten dieses bemerkenswerte Cocktailbuch erschienen. Hier lernt man nicht nur zahlreiche Rezepte für Cocktails kennen, sondern es wird auch die Geschichte der Drinks in Augenschein genommen. Zudem erfährt man Wissenswertes über Arbeitsgeräte und Arbeitstechniken und hat Gelegenheit, sich ausgiebig mit Spirituosenkunde zu befassen. 

Bei den Spirituosen handelt es sich um: Rum, Whiskey, Gin, Cognac, Brandy, Tequila, Wodka, Eau de Vie, Likörweine, Wermut, Champagner, Cocktail Bitters, Absinth, Amaro und Liköre. 

Bittere Würztinkturen sind die wesentlichen Elemente der Cocktailkultur. Ihre Aufgabe besteht darin, eine Geschmacksrichtung in den Vordergrund zu stellen oder es handelt sich um Aromen, sogenannte Aromatic Bitters. Amoro hingegen sind Kräuterbitter, die eine verdauungsfördernde Wirkung haben. 

Bei den Likören wird unterschieden zwischen Kräuter-, Frucht-, Crème-, Kaffee & Nuss, Whisky und Gewürzlikören. Dass das "Danziger Goldwasser"  ein Gewürzlikör ist, wird nicht allen bekannt sein und auch nicht, dass er neben Blattgoldflocken, Aromen von Kardamom, Lavendel, Zimt, Kümmel, Zitronen und anderes mehr enthält.  Die Mixtur klingt vielversprechend und erinnert mehr an den Orient als an Danzig zunächst. Doch dann  besinnt man sich der Deutschen Hanse und des Gewürzhandels und  erkennt blitzschnell den Zusammenhang.

Barobst und Bargewürze wie auch Kräuter werden sehr gut beschrieben und es wird gezeigt, welche Gläser man jeweils benutzt. Zudem wird erläutert, was alles in eine Homebar gehört, bevor man dann zur Tat schreiten kann. Weshalb nicht mit einem "El Draque" beginnen? Der Drink eignet sich bestens, um über Piraten zu erzählen, speziell über Sir Francis Drake und die Entwicklung des Cocktails, die mit der Seefahrt eng verbunden ist. Ob Drake "Danziger Goldwasser" etwas hätte abgewinnen können?  Vermutlich schon: Das Gold. Er hätte es seiner Königin zu Füßen gelegt und ihr versprochen, mehr davon  zu beschaffen. "El Draque" war ein harter Hund und als solcher ungeeignet, Likör zu goutieren....  

Empfehlenswert

Helga König

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