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Rezension: Der Wein-Graf- Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau- ein Porträt- Wolfgang Junglas

Autor des vorliegenden Buches ist Wolfgang Junglas. Der im Rheingau lebende, studierte Soziologe arbeitet seit 1985 als fester, freier TV- Redakteur zunächst beim ZDF und später beim SWR in Mainz. Als Weinjournalist und Restaurantkritiker ist er Vorsitzender des Weinjournalistenvereins Weinfeder e. V., zudem Autor der TV-Serie "Landgasthöfe in Rheinland-Pfalz" und arbeitet  des Weiteren als Moderator und TV-Produzent. Zudem veranstaltet Junglas in der Brentanoscheune in Oestrich-Winkel das Bühnenprogramm der Rheingauer Wein Bühne. 

Graf Matuschka-Greiffenclau, "der Wein-Graf" hat Ende der 1970er Jahre an der Johannes- Gutenberg- Universität in Mainz  abends eine Vorlesung zum Thema Wein gehalten. Studenten aus allen Fachbereichen strömten in diese Vorlesung, um Wissenswertes über Wein zu erfahren. Dank seiner spannenden Ausführungen begann ich mich damals als junge Studentin für Wein  intensiver zu interessieren. 

Jahrzehnte später haben wir Weine von "Schloss Vollrads", dessen Inhaber Graf Matuschka -Greiffenclau einst war, auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt und mit dem heutigen Gutsverwalter Dr. Rowald Hepp ein Interview über das Weingut und die Weine realisiert. All dies hat mich neugierig auf  das Buch "Der Wein-Graf" gemacht.

Anlässlich des 20. Todestages von Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau hat Wolfgang Junglas den "König" des Rheingaus facettenreich porträtiert und versucht auf diese Weise eine Antwort auf die Frage nach dessen Selbstmord zu finden. 

Dem Text sind einige Fotos beigefügt, die dem Leser einen visuellen Eindruck von dem Protagonisten und seinem Anwesen vermitteln. 

Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau beging am 19.8.1997 Suizid. Das tragische Ereignis war damals nicht nur im Rheingau ein Thema für mancherlei Spekulationen. Als Ursachen für den Selbstmord kursierten Gerüchte, dass seine Gläubigerbank ihn in den Tod getrieben habe, auch war die Rede davon, dass schlechte Weinkritiken eine Rolle gespielt haben sollen. 

Junglas, der den Grafen auf Weinveranstaltungen mehrfach getroffen hatte, war beeindruckt von seiner Ausstrahlung, seinen Visionen und seinem Redetalent. Wie der Autor schreibt, habe Matuschka-Greiffenclau den Rheingauer und auch den deutschen Wein national und international verkörpert und ihn wie kaum ein anderer vertreten. Nicht zuletzt sehr beliebt bei den Frauen, ist es zunächst nicht nachvollziehbar, weshalb dieser Mann sich das Leben nahm. 

Wolfgang Junglas ging auf Spurensuche, besuchte  Schloss Vollrads und erfuhr dort viel von der langen Geschichte des Hauses, die sich zurückverfolgen lässt bis zu Zeiten Karls des Großen. Der Autor bringt dem Leser durch seinen historischen Abriss das alte Adelsgeschlecht  näher und lässt ihn auf diese Weise verstehen, welche familiäre Verantwortung auf diesem Mann mit großem Ehrbegriff gelastet hat. 

Grundlage für das Buch sind 60 Interviews mit Familienmitgliedern, engen Mitarbeitern, den Wein-Gefährten, dem Gutsverwalter und der Nassauischen Sparkasse als Hausbank, des Weiteren das Sichten von Pressearchiven und Originaldokumenten. 

Wolfgang Junglas skizziert zunächst die Kindheit, Jugend, das Studium und die Berufstätigkeit des Grafen und berichtet darüber wie dieser mit Elisabeth Schick, einer Kollegin bei Olivetti nach Vollrads zurückkehrt und die Leitung des Familienunternehmens übernimmt. Die beiden waren offenbar ein sehr gutes Team damals und entwickelten eine moderne Marketing-Strategie. Dazu gehörten kulinarische Weinproben, vor allem aber das erfolgreiche Bemühen, deutsche Weine in der Top-Gastronomie zu platzieren.

Junglas erzählt wie die vier Winzer Michael Graf Adelmann, Graf Matuschka –Greiffenclau, Carl von Schubert und Armin Diel in den 1980er Jahren in die deutsche Weingeschichte eingingen, indem sie durch die Top-Gastronomie tourten und für deutsche Weine warben. 1982 dann engagierte sich Matuschka-Greiffenclau für das Restaurant im "Grauen Haus", das ihm gehörte. Es ist das älteste Steinhaus Deutschlands. Schon wenig später wurde es das"Weinschmecker Restaurant" des Rheingaus. Hier wurden 120 hochwertige Rieslinge und Spätburgunder angeboten, die allesamt aus dem Rheingau kamen. Dazu kreierte der junge aufstrebende Koch Egbert Engelhardt sehr delikate Speisen. So wurde das idyllisch gelegene Haus schon 1984 mit einem Stern von Michelin ausgezeichnet.  Das Ambiente war wirklich überaus beeindruckend, die Weine und die Speisen ebenso.

Die Achtziger waren für den umtriebigen Adeligen gute Jahre. 1986 wurde Graf Erwein zum Präsidenten des Rheingauer Weinbauverbandes gewählt. Für den VDP-Weinverband hatte er damals viele Grundlagen gelegt, die den VDP erneut an die Spitze des deutschen Weinbaus brachten. 

Doch dann geriet Schloss Vollrads Anfang 1990 in eine materielle Schieflage. Darüber erfährt man im Buch Wissenswertes. Zu hohe Kostenfaktoren aufgrund der Erhaltung der Gebäude und die Bedienung der  beträchtlichen Kredite  beutelten den Grafen immer mehr. Auch der Verkauf einiger Objekte, so u.a. des Grauen Hauses konnte nur kurzfristig helfen. 

Wie die Dinge sich weiter zuspitzten und weshalb es letztlich immer desaströser für Matuschka-Greiffenclau  wurde, begreift man spätestens durch die Lektüre dieses Buches. Sehr aufschlussreich ist der abgedruckte "Abschiedsbrief an die Öffentlichkeit", der von Wolfgang Junglas interpretiert wird. Mein Blick bleibt lange an der Schrift des Grafen hängen und ich begreife aufgrund des Schriftbildes, weshalb  Graf Erwein sein Leben als zerbrochen ansah. 

Wie es nach dem Ableben von Erwein Graf Matuschka -Greiffenclau mit Schloss Vollrads weiterging, bleibt in dem Buch von Wolfgang Junglas auch nicht unerwähnt.

Nach der Lektüre denke ich spontan: 12% Zinsen sind eine Unverschämtheit. Das konnte nicht gut gehen... 

Empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Cocktails- Geschichte-Barkultur-Rezepte- Hallwag

Im Hallwag-Verlag  ist vor einigen Monaten dieses bemerkenswerte Cocktailbuch erschienen. Hier lernt man nicht nur zahlreiche Rezepte für Cocktails kennen, sondern es wird auch die Geschichte der Drinks in Augenschein genommen. Zudem erfährt man Wissenswertes über Arbeitsgeräte und Arbeitstechniken und hat Gelegenheit, sich ausgiebig mit Spirituosenkunde zu befassen. 

Bei den Spirituosen handelt es sich um: Rum, Whiskey, Gin, Cognac, Brandy, Tequila, Wodka, Eau de Vie, Likörweine, Wermut, Champagner, Cocktail Bitters, Absinth, Amaro und Liköre. 

Bittere Würztinkturen sind die wesentlichen Elemente der Cocktailkultur. Ihre Aufgabe besteht darin, eine Geschmacksrichtung in den Vordergrund zu stellen oder es handelt sich um Aromen, sogenannte Aromatic Bitters. Amoro hingegen sind Kräuterbitter, die eine verdauungsfördernde Wirkung haben. 

Bei den Likören wird unterschieden zwischen Kräuter-, Frucht-, Crème-, Kaffee & Nuss, Whisky und Gewürzlikören. Dass das "Danziger Goldwasser"  ein Gewürzlikör ist, wird nicht allen bekannt sein und auch nicht, dass er neben Blattgoldflocken, Aromen von Kardamom, Lavendel, Zimt, Kümmel, Zitronen und anderes mehr enthält.  Die Mixtur klingt vielversprechend und erinnert mehr an den Orient als an Danzig zunächst. Doch dann  besinnt man sich der Deutschen Hanse und des Gewürzhandels und  erkennt blitzschnell den Zusammenhang.

Barobst und Bargewürze wie auch Kräuter werden sehr gut beschrieben und es wird gezeigt, welche Gläser man jeweils benutzt. Zudem wird erläutert, was alles in eine Homebar gehört, bevor man dann zur Tat schreiten kann. Weshalb nicht mit einem "El Draque" beginnen? Der Drink eignet sich bestens, um über Piraten zu erzählen, speziell über Sir Francis Drake und die Entwicklung des Cocktails, die mit der Seefahrt eng verbunden ist. Ob Drake "Danziger Goldwasser" etwas hätte abgewinnen können?  Vermutlich schon: Das Gold. Er hätte es seiner Königin zu Füßen gelegt und ihr versprochen, mehr davon  zu beschaffen. "El Draque" war ein harter Hund und als solcher ungeeignet, Likör zu goutieren....  

Empfehlenswert

Helga König

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