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Rezension: Blaue Stunde- Rezepte, die den Abend feiern- Tapas, Antipasti, Mezze, Ceviche & Apéro – Stevan Paul – Brandstätter

Stevan Paul, der Autor dieses Buches, nennt die sogenannte Blaue Stunde einen magischen Moment. Sie sei die beste Zeit für Geschichten, zum Zuhören, zum Reden, zum Staunen und Lachen. Von daher kommen überall auf der Welt Menschen zu diesem Zeitpunkt zusammen und treffen sich an Tresen, Theken und Bars, in Pubs, Izakayas, Bodegas und Bistros, der Cervejaria und der Tapas-Bar auf ein Glas und ein paar Snacks. Diese spezielle Barfood-Kultur zählt in vielen Ländern zum kulinarischen Erbe.

Der Autor und die Fotografin Daniela Haug nehmen die Leser mit auf eine besondere kulinarische Reise nach Samoa, Australien, Japan, China, Indien, die Türkei, Griechenland, Ungarn, Italien, Österreich, Deutschland, Schweiz, Dänemark, Schweden, Spanien, Marokko, Belgien, Frankreich, die Niederlande, Portugal, Großbritannien, Brasilien, USA und Mexiko. Stets erfährt man ein wenig über die Ess- und Trinkgewohnheiten des fokussierten Landes zur Blauen Stunde und auch ein wenig Anekdotisches. Impressionen in besagtem Zeitrahmen lassen den Blick lange verweilen, speziell wenn die Eindrücke exotisch anmuten.

Viele  köstliche Barfood- Rezepte werden vorgestellt, und es wird auch zumeist verraten, welche Getränke man in den einzelnen Ländern dazu genießt. Zum "Salade Lyonnaise" beispielsweise passt ein leichter, fruchtiger Côtes-de Provence-Rosé oder ein würziger "Entre deux mers" aus dem Bordelais, während man zu "eingelegtem Paprika mit Salamibroten" aus Ungarn  ein Glas Rotwein aber auch gut gekühlten Tokajer trinkt.

Sehr delikat ist das Rezept für "Pfirsiche mit Olivenöl und Parmaschinken". Dazu passt ein italienischer Wein ebenso wie Prosecco oder Aperol Spritz. Wer möchte, kann eine "Typische Heurigenplatte" aus Österreich zubereiten und Grünen Veltliner dazu reichen oder auch ein "Raclette" auf den Tisch bringen und einen Gutedel dazu genießen.

Die vielen delikaten Rezepte aus 24 Ländern machen neugierig, auch wenn manche vorgestellten Blaue-Stunden-Speisen eher mit anderen Getränken harmonieren, wenn man dem Autor Glauben schenkt. Gottlob gibt es für Muscheln zwei Rezepte im Buch. Die "Muscheln mit Knoblauch und Koriander“ aus Portugal passen sehr gut zu Vinho Verde. Das belgische Muschelgericht harmoniert wohl eher zu Bier und zu "Haggis Meatballs" gönnt sich der Brite einen Whisky.

Hin und wieder liest man sogar, welche Musik im Hintergrund spielen sollte, um sich sinnlich in das Land zu versetzen, dessen Speisen und Getränke man gerade genießt.


Sehr empfehlenswert

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich.

Rezension: Cheers, Ladies!- Jennifer Croll, Kelly Shami- Prestel.

Verfasst hat dieses Buch die Kanadierin Jennifer Croll. Sie arbeitet als Schriftstellerin des Weiteren als Lektorin und schreibt zudem Artikel für Hochglanzmagazine. 

Kelly Shami, die Illustratorin, lebt in New York und arbeitet als Künstlerin und Schmuckdesignerin. Ihr besonderer Illustrationsstil führte zur Zusammenarbeit mit Marken wie Adidas, Nike, MTV, Cover Girl etc. 

Cheers Ladies! ist eine Hommage an 60 herausragende Frauen, die alle dazu beigetragen haben, das kulturelle Erscheinungsbild unserer Welt zu verändern. Dabei entstand die Idee zu den jeweiligen Cocktails in einigen Fällen durch das Werk der Namensgeberin zum Teil aber auch durch ihr Umfeld oder ihren persönlichen Stil. Bei manchen Cocktails handelt es sich nur um den Lieblingsdrink einer der Frauen, andere hingegen sind der subtile Ausdruck einer besonders prägnanten Persönlichkeit, gewissermaßen eine Interpretation der fokussierten Person. 

Bevor man die einzelnen Getränke näher kennenlernt, werden Utensilien zur Grundausstattung für die Zubereitung von Cocktails näher vorgestellt. Dann erfährt man etwas über traditionelle Gläser für Cocktails und auch das ein oder andere zu typischen Spirituosen sowie zu anderen Cocktailzutaten. Zudem werden Garnituren und Krusten (nicht alles ist aus Salz) vorgestellt. 

Für jede Dame und ihren persönlichen Cocktail steht eine Doppelseite zur Verfügung. Man erfährt auf der linken Seite stets etwas über die auf der rechten Seite visuell dargestellte  Person und erhält zudem das Rezept für den jeweiligen personenbezogenen Cocktail. 

Seite für Seite stellt sich die Präsentation witzig, originell und dabei kurzweilig dar. Die Kurzbiografien erweisen sich als spannende Lektüre, die Lust darauf machen, spezielle Drinks auszuprobieren uns so diese Personen auch sinnlich wahrzunehmen.

Virginia Woolf, die Wegbereiterin der modernistischen Literatur, bekannt für ihre experimentellen Romane und engagierten Essays, in denen sie die Gleichberechtigung der kreativen Frau forderte,  füllte sich im Alter von 59 Jahren Steine in die Taschen ihres Mantels und nahm sich in einem Fluss das Leben. Ihr Cocktail enthält viel Limettensaft. Das passt zu ihrem Ende. 

Marlene Dietrich, eine großartige Schauspielerin mit politischem Bewusstsein soll am Set Zitronen gelutscht haben, weil sie glaubte, das straffe die Mundmuskulatur. Den Drink, dessen Rezept man im Buch nachlesen kann, soll sie sich in einer Bar in Hollywood immer wieder bestellt haben, bis er schließlich ihren Namen erhielt. Zitronen gibt es hier nur als Garnitur.

Simone de Beauvoir genoss in Pariser Cafés am liebsten Aprikosencocktails und die 96 jährige Stilikone Iris Apfel schätzt Campari mit Sodawasser. Diesen Drink muss man sich merken, vielleicht hilft er ja, dass man bis ins hohe Alter jung bleibt.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Cheers, Ladies!: Berühmte Frauen und ihre Cocktails

Rezension: Wein genießen- Paula Bosch- Callwey

Die bekannteste, deutsche Sommelière und Weinautorin Paula Bosch ist die Verfasserin des sehr schönen, reich bebilderten und dabei informativen Werkes "Wein genießen", in dem sie ihr Weinwissen an ihre Leser weitergibt.

Das Buch ist in insgesamt 13 Kapitel untergliedert. Im Vorwort erfährt man, welches Ziel Paula Bosch mit ihrem Buch verfolgt. Es geht darum, die Veränderungen in der Weinproduktion, im Handel sowie beim Weintrinken aufzuzeigen und mit den Lesern auf Entdeckungsreise durch die internationale Weinwelt zu gehen. Hier berichtet die Sommelière aus ihrer Schatzkiste von Erfahrungen, Entwicklungen und Erkenntnissen beim Servieren wie Probieren von Wein.

Wein ist für Paula Bosch ein komplexes aber auch faszinierendes Thema. Dies ist der Grund, weshalb wir möglichst viel über ihn wissen sollten, um ihn so gut wie möglich zu verstehen.

Im ersten Kapitel nimmt die Autorin ihre Leser mit auf eine Kurzreise durch 13 verschiedene Weinbauländer, die sie häufig, mitunter sogar jährlich besucht. Ihre Reise beginnt in Deutschland. Hier skizziert sie zunächst die Entwicklungen im deutschen Weinbau, listet Zahlen zur Rebfläche, Produktion, zu den Anteilen von Weiß und Rot und den wichtigsten Rebsorten weiß und rot auf, um zu guter Letzt den Exportanteil des Weines  zu benennen.

Dann listet sie Besonderheiten und Gründe auf, die für die Qualität der deutschen Weine sprechen, und beschreibt kurz und knackig die Anbaugebiete und Regionen, um daraufhin bemerkenswerte Empfehlungen zu geben, teilweise von Weingütern, die selbst Weinkennern nicht immer bekannt sind. In genau dieser Weise verfährt die Autorin bei den Weinbauländern Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Südafrika, Australien, Argentinien, Chile und den USA. Alsdann stellt #Paula_Bosch junge oder angesagte Winzer und ihre Weine aus besagten Anbaugebieten vor und nennt jeweils drei spezielle Weine, die man unbedingt probieren sollte. 

Von alten und neuen Hypes liest man. Hier geht es um Reflektionen über Biowein, biologisch-dynamisch erzeugten Wein, Naturwein, Orangewein und um veganen Wein. Anschließend lernt man rote und weiße Rebsorten näher kennen. Hierzu gibt es auch schöne Fotos und stets eine exaktes Porträt plus Typisierung und eine Auflistung der jeweiligen Aromen als auch der Bodenbeschaffenheiten in verschiedenen Weingebieten. Zudem erfährt man, wie viel ha der Rebsorte in den einzelnen Ländern angebaut werden, um sich anschließend mit Champagner, Sekt und Co befassen zu können und wiederum tolle Tipps zu Erzeugern vermittelt zu bekommen. 

Spannend ist auch, was die Autorin in Sachen Prosecco schreibt und hier vor allem, woran man einen guten Prosecco erkennt. Noch spannender wird es im Kapitel "Vom richtigen Weinkauf". Dort lässt Paula Bosch in ihren Betrachtungen weder Supermärke, den Weinfach-, noch den Onlinehandel aus und gibt Tipps, worauf man beim Kauf achten sollte. 

Im Kapitel "Erhalte mir die Qualität" erfährt man mehr zu "Keller, Klimaschrank und Korkenzieher", liest über Gläser und deren Form sowie auch über deren Funktionalität und kann sich nicht zuletzt über das Dekantieren kundig machen. Weiter geht es mit dem Probieren von Wein und was man zu einem solchen Zeitpunkt tunlichst vermeiden sollte. Hier liest man beispielsweise auch, was man bei den Trinktemperaturen beachten muss. 

Es führt zu weit, alles, was im Buch benannt wird, hier anzureißen. Spannend zu lesen ist das Kapitel Weinkarten und Sommeliers in der Gastronomie. Dort erfährt man mancherlei, was in anderen Weinbüchern nicht zur Sprache gebracht wird. 

Im Kapitel “Essen und Trinken“ geht es darum, welche Weine zu welchen Speisen oder Lebensmitteln passen. Diese Seiten des Buches sollte man immer mal wieder studieren und die angebotenen Kombinationen auch probieren. Ganz wichtig scheint mir der Satz "Je weniger und einfacher die Beilagen oder das Drumherum bei Fleisch und je edler die Jus, desto größer, besser und raffinierter darf die Qualität des Rotweins sein". 

Die Informationen zu Käse und Rotwein sind hervorragend. Man sollte auch hier immer wieder nachlesen, bevor man zur Tat schreitet, da nur Ignoranten das Rad bekanntermaßen zweimal zu erfinden suchen. Im Einmaleins für gelungene Kombinationen erfährt man all das, was man sich tief ins Gedächtnis einprägen sollte, beispielsweise, dass Bitterkeit durch Säure und Schärfe (Zitrone, Ingwer, Chili und Pfeffer) verstärkt wird. Dann beantwortet Paula Bosch eine Vielzahl bemerkenswerter Fragen, so etwa die Frage "Wie ernst nehmen Sie Punktebewertungen?" Und in dem sich dann anschließenden Kapitel werden "Fragen rund um den Wein" mehr als nur zufriedenstellend beantwortet. Abgerundet wird das Buch mit Adressen von 50 sehr guten Weinbars, Bezugsquellen für Wein sowie eine Verzeichnis zu Büchern, jährlichen Weinführern, Magazinen, Bloggs, Websites, Weinkursen sowie Weinschulen und Weinmessen. 

Alles in allem ein grandioses Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

Maximal empfehlenswert.

Überall im Fachhandel erhältlich

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Wein genießen: Das Weinwissen Deutschlands bekanntester Sommelière

Rezension: Das Winzer-Jahr im Rheingau- Ein Tagebuch- Bernd Bräuer, Jochen Neher

Dieses zauberhafte Büchlein ist eine Teamarbeit von Jochen Neher,  dem Besitzer des Weinguts Mohr in Lorch im Rheingau und Prof. Dr. Bernd Bräuer, in dessen Verlag das Werk veröffentlicht wurde. Bei der vorliegenden  Publikation  handelt es sich um ein spannend zu lesendes Tagebuch, durch das man einen erkenntnisreichen Einblick in den Arbeitsalltag des Winzers Jochen Neher  entgegengebracht bekommt. 

Zudem enthält das Büchlein viele schöne Fotos aus der Region, auch Gemäldeabdrucke und Zeichnungen, die dem Betrachter den Rheingau näherbringen. Aufgelockert ist das Tagebuch des Winzers durch Anekdoten und kleine Texte, die sich mit dem Weingenießer Johann Wolfgang von Goethe befassen, der im September 1772, von Wetzlar kommend,  nach Ehrenbreitstein (Koblenz) wanderte und dort die Schriftstellerin Sophie von La Roche und ihre Familie besuchte. Die Tochter des Hauses heiratete später den Frankfurter Kaufmann Peter Anton Brentano, dessen Familie in Winkel im Rheingau ein Anwesen besaß, das Goethe 42 Jahre später ebenfalls aufsuchte. Über besagte Reise liest man im Buch auch Wissenswertes und hat Gelegenheit kleine Textauszüge aus Goethes Tagebuch zu studieren, welches durch das Tagebuch Jochen Nehers vortrefflich ergänzt wird. Im Rheingau spielt Zeit offenbar keine Rolle. 

Alles könnte jetzt sein. Man staunt, an welchen Orten der Dichter Goethe dort 1814 und auch ein Jahr später sich kundig gemacht hat und versteht dessen Liebe zum Wein besser, wenn man auf den letzten Seiten etwas über seine Familie und deren beruflichem Tun in Erfahrung  bringen konnte. 

Dass Goethe Wein beschrieb und bedichtete, ist gewiss einigen nicht unbekannt, dass er bei Tisch den Weinbau thematisierte und Weingespräche führte, erahnt man natürlich, dass er Winzerhäuser und Reben zeichnete, wissen jedoch bestimmt nur eine kleine Anzahl von  Goethekennern. Dem Dichter auf Frankfurt hätte das Tagebuch des Winzers Jochen Neher bestimmt sehr gut gefallen und er hätte vielleicht bei Tisch in Weimar daraus vorgelesen, so etwa die Aufzeichnung, die der Lorcher zwischen dem 8. Januar bis 21. Januar gemacht hat und  hätte gewiss anschließend zu diskutieren begonnen. 

Schon hier  zu Jahresbeginn begreift man wie vielschichtig die Arbeit eines engagierten Winzers ist, der z.B. Weinberge zu den eigenen durch Pacht hinzugewinnt, kurz darauf sich eine Woche fachlich weiterbildet und den zum Zeitpunkt als er die Notizen machte, die Terroir-Thematik besonders interessiert hat. Doch ich möchte hier die Tagebucheintragungen nicht verkürzt wiedergeben, denn dies würde die Spannung mindern. 

Vielleicht aber das: Man erfährt, wann die Flaschen gefüllt werden und  macht sich bewusst wie viel Arbeit damit verbunden ist.  Eine Flasche von jeder Sorte wird ins Weinlabor geschickt. Dort werden die wichtigsten Parameter analysiert. Benötigt werden diese für die amtliche Prüfnummer, die jeder Qualitätswein trägt. Was in der Folge geschieht, entnimmt man dem Tagebuch natürlich auch. Neben den Arbeiten im Weinberg und im Keller geht es auch um das Ausliefern der Weine, um Weinproben und vieles andere mehr. 

Von Eintragung zu Eintragung wird immer klarer, was der Winzer und Weingutsbesitzer leisten muss. So gehören auch Fachsitzungen und Besprechungen über Weinbau-Politik beispielsweise zu all dem, was dieser agile Manager mit grünem Daumen auf seiner Agenda stehen hat. 

Ich empfehle das Buch allen sehr gerne, darüber hinaus natürlich die Weine des Weinguts Mohr. Anbei der Link zu den Weinbesprechungen:  https://helga-koenig-wein.blogspot.de/2018/02/bio-weingut-mohr-lorch-am-rhein-5.html
Helga König

Link zum Weingut: www.weingut-mohr.de
Link zum Verlag zwecks Buchbestellung:
http://www.weinstubeambrunnen.de/verlagsbuchhandlung.php

Rezension: Schokolade & Wein- Ein Genuss- und Geschmacksverführer-Eberhard Schell-Hädecke

Der Autor dieses bemerkenswerten Buches ist der Konditormeister und Chocolatier Eberhard Schell. Er befasst sich seit nunmehr 20 Jahren mit "Wein und Schokolade". Das Nachschlagwerk ist bereits in der 2. Auflage erschienen und wurde mit der Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands ausgezeichnet. 

Eberhard Schell erzählt zunächst wie es dazu kam, dass er ganz besondere Pralinen kreiert, die in der Weinwelt für immer größere Neugierde sorgen und er lässt nicht unerwähnt, dass er mittlerweile mit 150 Weingütern aus 13 deutschen Anbaugebieten aber auch mit Winzern aus Österreich und Italien zusammenarbeitet, deren edelsüße Weine, Sekte, Wein- und Tresterbrände von ihm und seinem Team zu feinen Pralinen veredelt werden. 

Wissen sollte man, dass Wein und Schokolade viele Gemeinsamkeiten haben als da sind: Geographisches, das Terroir, die Sortenvielfalt, Anbaumethoden, Gärung, Verarbeitung bis hin zur Geruchs-und Geschmacksvielfalt. Doch auch bezüglich der Mystik, der Religion und der kulturhistorischen Bedeutung gibt es Parallelen über die man ähnlich wie über die oben genannten Gemeinsamkeiten  Näheres erfährt. 

Die Informationen über die Herkunft von Kakao und Wein und über die Geschichte der Schokolade verdeutlichen den Stellenwert des Produkts in vergangenen Zeiten. 5,5 Millionen Bäuerinnen und Bauern und teilweise auch deren Kinder sind mit dem Anbau und der Ernte der Kakaobohnen beschäftigt. Zumeist werden die Bauern ausgebeutet zugunsten der Lebensmittelkonzerne, Discounter und der Endverbraucher. Schell plädiert für Nachhaltigkeit und Fairness. 

Bei allen Gemeinsamkeiten, die im Buch ausführlich beschrieben werden, werden die medizinischen Aspekte von Schokolade und Wein nicht vergessen und es wird über Lagerung und Genuss  Aufschlussreiches berichtet, bevor man sich dann ausführlich über Farbtöne und Geruchs- sowie Geschmacksaromen von Wein und Schokolade informieren kann. Diese Auflistungen sind sehr gut und übersichtlich gestaltet und verhelfen zu neuen Erkenntnissen beim aufmerksamen Genuss der Produkte. 

Man erfährt Wissenswertes zur Vorbereitung der Verkostung und kann sich in Genussregeln vertiefen, bevor man unterrichtet wird, welcher Wein überhaupt zu welcher Schokolade passt. Wer bislang meinte, Schokolade eigne sich nur zu Rotwein, wird hier eines Besseren belehrt. Eine Vielzahl von Weiß- und Rotweinsorten kommen zur Sprache und man liest jeweils, welche Schokolade sich am besten dazu eignet, wobei dies immer ausführlich begründet wird. 

Portweine, Sherrys und Malagaweine bleiben in der Betrachtung ebenso wenig ausgespart wie Sekt und Champagner und selbst Spirituosen werden als Schokoladenbegleiter näher beleuchtet.

Das Buch ist eine wirkliche Bereicherung für alle, die einen optimalen kulinarischen Genuss zu schätzen wissen, den die  wohlüberlegte Verbindung Schokolade & Wein zu bieten vermag.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich
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Schokolade & Wein: Ein Genuss- und Geschmacksverführer

Rezension: Die Weine von Gala- Taschen

Das vorliegende Buch ist ein exzentrischer Weinratgeber des Surrealisten Salvadore Dali, der als Hedonist edle Weine sehr zu schätzen wusste. 

TASCHEN hat den Prachtband, der 1977 erstmals erschien, jetzt in einer Faksimile-Ausgabe neu aufgelegt.  Das reich bebilderte Werk folgt dem Sinnspruch des Künstlers, "Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet dessen Geheimnisse“, und erklärt die Mythen um den Wein und seine Herstellung, illustriert mit mehr 140 Zeichnungen des Künstlers.

Das Buch ist in zwei große Abschnitte untergliedert. Die Texte des ersten Abschnitts stammen von Max Gérard. Der Titel dieses Abschnitts lautet "Die Zehn Weine des Göttlichen." Zur Sprache gebracht werden: Der Wein aus dem Ay- Der Wein aus dem Shiraz- Der Wein des Königs Minos- Der Lacrimae Christi- Der Châteauneuf-du Pape- Die großen Bordeauxweine- Der Château Yquem- Der Jerez- Der Wein Kaliforniens. 

Die Zeichnungen, Bilder und Zitate illustrieren auf gekonnte Weise die Texte, deren Reiz die Mythen sind, die Weine zu Kulturgütern der besonderen Art machen. So liest man u.a., dass die Verherrlichung des Weines jahrhundertelang bei allen Nationen Thema war, dass er die Künste am meisten inspirierte und dass  er von ihnen am häufigsten besungen und gefeiert wurde. Weiter erfährt man, dass die Rebsorte mit dem Namen Syrah aus dem Orient stammt. Aus ihr wird der Châteauneuf-du-Pape gekeltert.  Man bemerkt rasch, dass alles irgendwie betont bacchantisch anmutet und ist beeindruckt durch die großartigen Illustrationen,  fast betrunken  von allem.

Ist man textlich bei den großen Bordeauxweinen angelangt, liest man, dass der Wein als Wein des Klassizismus- ähnlich einem Garten von Le Nôtre, die Erinnerung an den Präsidenten de Ségur verkörperte, den Ludwig XIV. "den Fürst des Weines oder den reichsten Seigneur des Königreichs" nannte und der auf seinem Gewand die Kieselsteine des Médoc trug. 

Dann liest man man weiter irgendwo, dass der Wein nicht nur intellektuelle Fähigkeiten erweckt, sondern sie auch schafft. Dies geschieht, indem er seine ätherischen Düfte bis ins Gehirn dringen lässt, neue Berührungspunkte erfindet und Gedanken verbindet, indem er das Vergnügen zu schaffen mit dem Vergnügen nicht zu schaffen verwebt.  Das klingt interessant.

Irgendwann  Seiten später liest man dann vom Chateau Iquem und der damit verbundenen Geschichte und darf sich einer Fülle von beeindruckenden Bildern erfreuen, die sehr dionysisch daherkommen.  In der Folge schließlich – man befindet sich bereits in einem Taumel von bacchantischen Wörtern und Bildern - wird man mit 2. Abschnitt "Die zehn Weine Galas vertraut gemacht".

Der  Verfasser dieser Texte ist Louis Orizet. Gala war übrigens die Muse Dalis. Orizet bittet eingangs schon um Vergebung wegen der poetischen Trancezustände, in denen er sich  den emotionalen Reizen hingibt, wo seine Dialoge mit Wein entstehen. Damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, was er damit meint, zitiere ich aus dem Text. "wenn es uns erlaubt ist, die beim Kosten eines Médocs empfundene Emotion mit derjenigen zu vergleichen, die ein Menuett Mozarts in uns auslöst, so erinnert uns die Begegnung mit einem Musigny, einem der besten, wenn nicht sogar dem besten Wein der Côtes an die symphonischen Entfesselungen der Fugen oder der ungarischen Rhapsodien von Liszt."

Von Weinen des Ästheten ist die Rede, auch von Weinen des Lichts. Ich vermute, es ist Gala, die dem Bildbetrachter eine Traube hinhält. Wie eine Bacchantin wirkt sie nicht. Eher sachlich, merkantil.  Wen wundert es? Machte sie doch Dali zum erfolgreichsten Künstler seiner Generation in ihrer 50 jährigen Ehe. Immer wieder wird man mit gastronomischen Anmerkungen konfrontiert, die es lohnt zu lesen. Man erfährt in diesem Buch unendlich viel über Weine, aber man muss über Poesie und Fantasie verfügen, um sich in die exzentrisch geschilderte Weinwelt dieses Buches entspannt vertiefen zu können, die surreal ist, wie die Werke Dalis selbst.  

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Dalí. Die Weine von Gala

Rezension: Von wegen leicht und lieblich- Das ultimative Weinbuch nur für Frauen-Romana Echensperger- Christian-Verlag

Die Autorin dieses Buches ist die Chef-Sommeliere und Weinjournalistin Romana Echensperger. Sie schreibt regelmäßig bei niederländischen und deutschen Magazinen und hat eine eigene Kolumne bei den Tageszeitungen des Dumont Verlages. Zudem gestaltet sie für das Deutsche Wein Institut regelmäßige Workshops über die vielen Facetten des Deutschen Weines. Das Institut "Masters of Wine" hat ihr 2015 den Titel "Master of Wine" verliehen. Diesen Titel haben weltweit nur 340 Personen. 

Mit "Von wegen leicht und lieblich" macht Romana Echensperger Frauen eine Freude, die mehr über Wein wissen möchten und sich möglicherweise bislang scheuten, ein Weinbuch in die Hand zu nehmen, weil die meisten Weinbücher schon rein gestalterisch eher Männer ansprechen. Bereits das Cover ihres Buches ist für Frauen ein Hingucker. Der Wein im Glas dort korrespondiert mit dem Lippenstift der abgebildeten Schönen. Es handelt sich dabei um eine Illustration, wie man sie aus Modezeitschriften kennt. 

Neben vielen Bildern von Weinen, Impressionen rund um den Wein und Modezeichnungen, erlebt man im durchaus textreichen Buch die fotogene Autorin, hübsch gekleidet, auch gut geschminkt und gewinnt den visuellen Eindruck, dass hier keine Oberlehrerin den Leserinnen Weinwissen einbläuen möchte, sondern eine schöne, charmante und dabei stilvoll gekleidete Frau ihren Geschlechtsgenossinnen vormaliges Herrschaftswissen von Männern - vor allem nonchalant  -vermitteln will. 

Die Schauspielerin Iris Berben hat das Vorwort zu diesem bemerkenswerten Werk geschrieben und ist wie alle anderen Frauen, die diesem Buch zu Wort kommen, auf einem Foto zu sehen. Sich nicht mehr verstecken zu müssen als Weingenießerin, ist eine wesentliche Botschaft dieses Buches, das auf seine Weise auch als Beitrag zur Emanzipation gesehen werden kann. 

Romana Echensperger hat das Wissen, das sie weitergeben möchte, in vier Abschnitte untergliedert, als da sind: 

Aufräumaktion! Schluss mit den Weinmythen! 
Die wichtigsten Rebsorten & Weinstile 
Welcher Wein zu welchem Anlass? 
Tolle Weinfrauen 

Diesen vier Abschnitten voraus gehen ihre "Gedanken vorab". Hier lässt sie die Leserinnen wissen, dass es tatsächlich einen kleinen Unterschied in der Geschmackspräferenz zwischen Frau und Mann gibt. Nach einer neuen Studie der renommierten Wein-Hochschule in Geisenheim tendieren Frauen statistisch gesehen mehr zu Weiß- und Roséweinen, während Männer eher Rotwein trinken. 

Je intensiver sich Weintrinker (m/w) mit Wein befassen, umso mehr neigen sie zu trockenen Weinen. Studien belegen, dass Frauen besser riechen und schmecken und insofern Aromen besser differenzieren können. Zudem teilen Frauen ihre Weine gerne mit anderen, während Männer  sie eher als Statussymbol betrachten.

Die Autorin berichtet in ihrem Buch fundiert und unterhaltsam über Wein, zeigt die wichtigsten Kniffe im Umgang damit, entlarvt überflüssiges Expertengeschwätz, stellt die am weitesten verbreiteten Rebsorten vor und bringt sie den Leserinnen gekonnt näher. Des Weiteren erteilt sie Weintipps zu besonderen Anlässen wie auch für den persönlichen Weinalltag. Dabei ist es ihr am wichtigsten, Lust auf Wein zu machen, zum Experimentieren zu ermuntern und die Vorfreude auf ein gutes Glas Wein zu steigern.

Frauen achten mehr auf die Gestaltung der Etiketten. Deshalb gibt es mittlerweile eine typisch feminine Etiketten-Gestaltung. Neun besonders kreative Beispiele sind im Buch abgelichtet. 

Noch in der Einleitung wirft die Autorin einen Blick in die Geschichte und skizziert die besondere Beziehung zwischen Frauen und Wein in vormaligen Zeiten. Hier bleibt nicht unerwähnt, dass Frauen lange vom Weingenuss ausgegrenzt waren. Die Gründe hierfür werden auch genannt. Man liest von Frauen wie Madame Veuve Clicquot und Lilly Bollinger, die einen großen Beitrag in der Weinwelt geleistet haben und erfährt, dass Frauen heute einen selbstverständlichen Platz in der Weinwelt haben. Das beruhigt.

Man erfährt nicht nur, wo man am besten Wein kauft, auch die Frage nach dem Preis wird zur Sprache gebracht. Es sind keineswegs nur die Erzeugerkosten, so Echensperger, sondern Angebot und Nachfrage, auch Trends und Image, die in der Preisfindung eine Rolle spielen. 

Kork-und Schraubverschluss werden reflektiert und auch Gläser und Weinutensilien vorgestellt. Die Autorin schreibt zudem sehr einfühlsam über die Weinpflege. Hier auch liest man, dass große Gläser, in denen man den Wein schwenken kann, eine Karaffe mühelos ersetzen können. 

Sehr gut erklärt die Sommeliere wie man Wein verkostet und überaus aufschlussreich schreibt sie über biologischen Anbau und erklärt hier gut nachvollziehbar den Unterschied zwischen Bio und konventionell. Sogar über veganen Wein erfährt man Wissenswertes, was nicht wundert, wenn man liest, dass es mittlerweile 900 000 Veganer in Deutschland gibt.

Mir gefällt bei der Präsentation der wichtigsten Rebsorten, dass anhand jeweils eines Glases, das mit Früchten und anderen Lebensmitteln gefüllt ist, man sich die typischen Aromen einer Weinsorte gut einprägen kann. Die Rebsorten selbst sind hervorragend und dabei spannend beschrieben. Nicht nur Rebsorten aus deutschen Anbaugebieten, sondern auch österreichische Rebsorten wie etwa Grüner Veltliner, Blaufränkisch oder Zweigelt und auch italienische, spanische, französische Rebsorten und solche aus der Neuen Welt werden beleuchtet. Besonders interessant allerdings finde ich die Betrachtungen israelischer Weine, denn dort sei die Weinszene in ständiger Bewegung.

Auch über Prosecco bis Champagner wird man aufgeklärt, liest selbst über Portwein Wissenswertes, um sich schließlich in das Thema "Welcher Wein passt wozu?" zu vertiefen. Spannend  sind hier auch die Empfehlungen zu japanischer oder indischer Küche, wo man unkundig oft lange rätselt. Bestens sind die Tipps für das Geschäftsessen im Restaurant und die Betrachtung zu Weinbegleitern wie etwa Schokolade oder Käse. 

Sehr neugierig machen natürlich die Interviews mit den Weinfrauen. Dabei handelt es sich um die Winzerinnen Andrea Wirsching, Lisa Bunn und Lena Endesfelder, des Weiteren um die Vorsitzende des Vereins "Vinisima Frauen & Wein e.V" Susanne Wolf, um die japanische Weinpionierin Yumi Tanabe, die Köchin Sarah Henke, um Margareth Henriquez, Ceo von Krug und um  die Leiterin der  Deutschen Weinakademie Dr. Claudia Stein-Hammer.

Hervorheben möchte ich eine Antwort von Andrea Wirsching im Rahmen der Interviews mit Weinfrauen: 

Romana Echensperger: Was ist ihr schönstes Erlebnis in der Weinwelt? 

Andrea Wirsching: Meine Weinreise nach Israel. Wir haben mittlerweile ein gutes Partnerweingut dort, mit dem wir Austausch und Freundschaft pflegen. Das bedeutet mir sehr viel. Wenn du irgendwo mit Menschen zusammen bist, die mit dem Wein zu tun haben, entsteht eine Verbindung und plötzlich fühlt sich das Leben richtig gut an. Auf einmal hast du eine Freundschaft und richtig Freude am Leben, einen Genuss und du spürst die Erdverbundenheit. Das ist großartig. 

Dass im Anhang des Buch auch noch über "Wein und Gesundheit" informiert wird und man im Glossar viele Fachbegriffe näher erläutert bekommt, ist  lobenswert.

Ein wunderbares, sehr empfehlenswertes Buch  und ein ideales Geschenk von Frau zu Frau.

Helga König 

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Weinguide: Von wegen leicht und lieblich. Das ultimative Weinbuch (nur) für Frauen. Ein Weinführer für die weibliche Seite des Weingenusses. Ein Grundkurs in Wein von einer Master of Wine.